Intoleranz gegenüber behinderten Menschen

Die Tatsache, dass ich meinen Zivildienst damals in einer Tageseinrichtung für körperlich und geistig Schwerstbehinderte abgeleistet habe, macht mich natürlich nicht zu einem Diplom - Pädagogen oder zu einem Kinder- und Jugend Psychotherapeuten, aber was ich da unlängst aus meiner Geburtsstadt Villingen hören musste, macht mich fassungslos und sauer. Ihr habt vielleicht davon gehört, es war in manchen Zeitungen und im Radio:

Anwohner in einem Wohngebiet in dieser Stadt, wollen verhindern, dass in ihrer Nachbarschaft ein Wohngebäude für geistig Behinderte errichtet wird. Wortführerin ist hierbei eine Frau, welche die oben genannten Titel inne hat. Mongoloide und demente Menschen seien oft distanzlos, sie selbst hätte solche Menschen auch schon als Patienten erlebt und sei auch schon angegriffen worden. Jetzt haben Anwohner Angst und befürchten Übergriffe auf ihre Kinder, besonders deshalb, weil der Bauplatz des Vorhabens gegenüber einem Kindergarten liegt, dessen Erzieherinnen jedoch keine Bedenken haben.

Bei den Äußerungen der "Fachfrau" fehlen mir schlicht weg die Worte, um auszudrücken wie abstoßend ich es finde, so etwas kund zu tun und dann auch noch öffentlich. Zumal der Begriff "mongoloid" auch noch politisch inkorrekt ist und allgemein als diskriminierend angesehen wird.

Zugegeben, meine ersten Wochen des Zivildienstes waren gewöhnungsbdürftig und ja, auch ich habe das eine oder andere Mal etwas abbekommen. Dabei handelte es sich aber um besondere Fälle und Situationen. Bei den Menschen, die für das geplante Wohngebäude vorgesehen sind, handelt es sich aber laut einem Caritassprecher um sorgfältig ausgewählte, die nur leicht behindert sind. Die Einrichtung, in der ich tätig war, ist wie bereits oben erwähnt, für Schwesrtbehinderte konzipiert und trotzdem habe ich dort sehr oft erlebt, wie gefühlvoll und sensibel gerade Behinderte Menschen sind. Die Zeit in dieser Einrichtung hat mich persönlich in vielen Dingen weiter gebracht und ich bin bis heute froh, darüber, dass ich dort arbeiten durfte. Deshalb schäme ich mich für die Äußerungen dieser Diplom-Pädagogin umso mehr.

Wenn ihr euch näher für dieses Thema interessiert, hier noch ein paar Links:

http://www.dia-blog.de/

Südkurier

Boenningheimerzeitung


15.3.07 20:35

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bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Buchmaus (16.3.07 07:42)
Das ist ja wirklich eine Frechheit! Ich hatte in meinen Beruf schon des öfteren mit geistig behinderten zu tun - natürlich kann es da mal jemanden geben, der agressiv wird/ist, aber wie Du schon sagst, dass sind Ausnahmefälle, es gibt auch nicht geistig behinderte Menschen die total agressiv und komisch sind ...
Mir sind diese Menschen immer total liebebedürftig entgegen gekommen, wollten Händchen halten oder einen umarmen ... eine junge Frau hat sich tausend Mal entschuldigt, weil sie Angst vorm Blut abnehmen hatte und ein bisschen Theater gemacht hatte.
Danach ist sie mir um den Hals gefallen und hat immer wieder gesagt:" Entschuldige, nicht böse sein..."
Sowas ist rührend und öffnet einem das Herz.
Ich finde es den Hammer, dass diese Frau, den Nachbarn Angst macht, die sich nicht auskennen und ihre Horrormärchen glauben!
LG


Claudia / Website (16.3.07 09:39)
Bei uns, 3 Straßen weiter, besteht seit über 5 Jahren eine Einrichtung in der geistig behinderte Menschen in Wohngruppen leben. sie werden von Pflegern und Therapeuten betreut. Das es ein großes Wohnhaus ist, haben sie eine Wäscherei und ein Bistro eröffnet. In beiden Geschäften arbeiten einige der Bewohner. Es hat in der Planungszeit auch negative Äußerungen zu diesem Projekt gegeben. Mittlerweile ist ein gutes Miteinander entstanden. Die Wäscherei macht Umsatz und in dem Bistro kann man gut essen. Es geht also auch so herum.
LG Claudia


der-bote / Website (16.3.07 10:14)
Traurig, das Ganze! Dabei wäre es so wichtig, dass bereits Kindergartenkinder mit Behinderten vertraut gemacht werden. Dass sie lernen, dass diese Menschen sich manchmal anders verhalten und auch besondere Bedürfnisse haben, aber genauso zu unserer Gesellschaft gehören. Und - ich hatte ja auch Zivildienst bei Behinderten - nicht einfach nur als "Last" oder gar als "Gefahr" gesehen werden dürfen, sondern dass man auch viel Freude an und mit ihnen haben kann.


Ritter des Optimismus / Website (16.3.07 17:20)
Danke für eure Kommentare!!!
Es freut mich zu hören, dass es Gott sei Dank doch viele Menschen gibt, die offen für die Begegnungen mit behinderten Menschen sind.


mrsweasly / Website (17.3.07 10:03)
Also mir fällt zu dieser Frau auch nichts mehr ein. Ich sehe das auch so wie der Bote. In dem Kindergarten, indem meine Kleine war, gab es auch einmal eine Diskussion, ob ein behindertes Kind aufgenommen werden sollte oder nicht. Viele Eltern haben sich dagegen gewehrt. Ich finde es wichtig, dass diese Kontakte aufgenommen werden. Kinder sind so bedingungslos und können sich so gefühlvoll anpassen, und sind oftmals völlig bedenkenlos im Umgang mit Neuem, weil sie einfach darauf zugehen. Wir sollten die Kleinen schon sehr früh damit konfrontieren, dann ersparen wir uns solche Erwachsene.

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