Politik

Hoffnung für Afghanistan?

Auf einem meiner Lieblingssender, nämlich Phoenix, habe ich vor zwei Tagen eine Reportage über Afghanistan angeschaut. Städte, deren Namen man sonst eher in Kriegsmeldungen zu hören bekommt, wie Dschalalabad, Kundus und Kandahar und natürlich die Hauptstadt Kabul, wurden von einem Fernsehteam besucht und trotz aller Armut, Zerstörung und scheinbarer Hoffnungslosigkeit, bekam man auch Bilder zu sehen, die zumindest ein wenig Hoffnung wecken. Besonders beachtlich fand ich das Engagement des ehemaligen deutschen Feldarztes Reinhard Erös, der für "Kinderhilfe Afghanistan" Schulen in Städten und Provinzen baut - auch in der Nähe der Festung Tora Bora, wo sich einst Osama Bin Laden versteckte. 15 Schulen hat der Deutsche bereits eröffnet und die Nachfrage ist groß. Kinder nehmen dreistündige Fußmärsche auf sich, um eine Schule zu besuchen und auch die Eltern haben die Hoffnung, dass die Kinder durch den Schulbesuch eine bessere Zukunft haben werden. Ebenfalls erstaunlich war eine Mädchenschule, die ganz modern ausgestattet wurde. Sie bekam eine Photovoltaikanlage und Solarzellen aufs Dach, über die ein moderner Computerraum mit Strom versorgt wird. Besonders mutig von Erös erscheint es mir, dass er immer wieder mit den Taliban verhandelt, um unbehelligt die Schulen bauen zu können. Wie er sie überzeugt ist mir nicht klar, denn eigentlich tolerieren die Taliban nach eigener Aussage keine weltlichen Schulen. Die Taliban dulden nur Koranschulen und so kam es schon allein in den letzten Monaten zu über dreihundert Angriffen auf Schulen. Ganz besonders gefährdet sind dabei Mädchen, die Schulen besuchen, da dies wohl gar nicht in das traditionelle Bild der Taliban passt. Umso erstaunlicher, dass sie Erös gewähren lassen. In einem Interview, dass an der Taliban Universität in Pakistan stattfand, äußerte ein Führer außerdem, dass humanitäre Hilfe willkommen sei (z.B. Wiederaufbau, medizinische Versorgung) aber alle Truppen, die mit den USA kooperieren als Feinde eingestuft werden. Dies war auch als Warnung an die deutschen Truppen zu verstehen. Die Taliban haben ja bekanntlich eine radikale Auslegung des Islam. Dem entgegen steht ein Großteil der  afghanischen Bevölkerung, der dem  gemäßigten  Islam angehört und  der  gegenüber dem  Kamerateam sehr freundlich und offen war.  Auch wenn die bisherigen  kleinen Erfolge der Hilfsorganisationen ein Tropfen auf dem heißen Stein zu sein scheinen und die Lage in Afghanistan wegen den Taliban sehr unsicher ist, so scheint es doch bei vielen Menschen der Bevölkerung ein Fünkchen Hoffnung zu geben.

 

1 Kommentar 25.3.07 13:35, kommentieren

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Brasilien als Vorreiter für Umwelttechnologie

Als ich unlängst krank war, verfolgte ich morgens das ARD - Morgenmagazin, wo ich dann einen interessanten Bericht sah: In Brasilien hat jede Tankstelle eine oder mehrere Zapfsäulen für Ethanol. Als Treibstoff steht dieser Alkohol in verschiedenen Mischungsverhältnissen zur Verfügung. Gewonnen wird dieser sehr umweltfreundliche Treibstoff aus Zuckerrohr, von dem es in Brasilien massig gibt. Insgesamt 3 Millionen Autos sind in Brasilien schon mit der entsprechenden Technologie, den Flex Motoren, ausgestattet. Diese Motoren lassen verschiedene Treibstoffe, auch die herkömmlichen, zu. VW produziert in Brasilien nur noch Fahrzeuge mit diesem Motortyp. Ist das nicht erstaunlich?

Die Brasilianer hoffen nun, dass sich diese Technologie weltweit durchsetzt. natürlich tun sie dies nicht nur aus ökologischen Gesichtspunkten sondern auch aus wirtschaftlichen. Denn die Kapazitäten im Zuckerrohranbau sind noch lange nicht ausgeschöpft, so dass man in Brasilien auch in der Lage wäre im großen Rahmen zu exportieren. Dann hätten ja alle was davon... 

3 Kommentare 17.3.07 15:54, kommentieren

Proteste in Budapest

Seitdem im letzten September zufällig an die Öffentlichkeit drang, dass der ungarische Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany Wahlbetrug zugegeben hat, kommt es in Budapest immer wieder zu friedlichen Kundgebeungen, die leider auch immer wieder von gewaltbereiten Vandalen genutzt werden, um sich mit der Polizei Straßenschlachten zu liefern, so geschehen auch wieder letzte Nacht.

Bei aller Ernsthaftigkeit, habe ich vorhin auch ein erheiterndes Bild in den Nachrichten gesehen: Während der Ministerpräsident anlässlich des Jahrestages der Revolution eine Rede hält, tänzeln seine Bodyguards vor ihm und um ihn herum, "bewaffnet" mit Regenschirmen, um ihn vor fliegenden Eiern zu beschützen. Das war ein Bild für Götter.

Hoffen wir, dass die friedlichen Proteste zu einer Wiederherstellung einer glaubwürdigen Demokratie in Ungarn führen werden.

16.3.07 17:53, kommentieren

Was für eine Woche

Thank God it's friday! Ja, die Woche war anstrengend, gespickt mit Terminen und Arbeit, die sich auch noch ins Wochenende hinein ziehen wird. Dennoch freue ich mich natürlich wie vermutlich jeder auf das Wochenende. Aber auch global betrachtet war einiges los in der Woche. Vielleicht passiert jede Woche so viel aber diese Woche habe ich das wieder Mal bewusst mitbekommen. Zwei Sendungen "Heute Journal" haben gereicht, um mir den Mund offen stehen zu lassen. Abseits von den Politintrigen in Bayern und den leider schon alltäglich gewordenen Bombenanschlägen im Irak, gab es noch andere Neuigkeiten, die ich mit Interesse verfolgt habe: Israels Staatpräsident, Mosche Katzav, gerät ins Kreuzfeuer der Medien, weil er Angestellte vergewaltigt haben soll. Ausgerechnet! Nicht nur, dass Israel eh schon eine kontrovers diskutierte Rolle auf der Welt spielt (und das ist ja noch sehr milde ausgedrückt), auch in den krisengechüttelten Nachbarstaaten brodelt es, so z.B. im Libanon. Sollte sich der Skandal in Israel zu einer Staatskrise ausweiten und sich die Aufstände im Libanon zum (Bürger-)Krieg entwickeln - dann würde das Jahr für den nahen Osten so anfangen, wie das letzte aufgehört hat.

Auch aus der Türkei kam eine Meldung, die ich erschütternd fand: Der türkisch-armenische Journalist Hrant Dink wurde von einem 17- jährigen (!!!) Nationalisten ermordet, weil er sich zum Völkermord an Armeniern durch türkische Soldaten im ersten Weltkrieg geäußert hatte. Das war von den Nationalisten in der Türkei als "Beleidigung des Türkentums" aufgefasst worden, über die es sogar einen Paragraphen in der türkischen Rechtsprechung gibt, der verlangt, eben solche Leute wie Dink hart zu bestrafen. Wie fortschrittlich! In Istanbul nahmen viele Menschen am Trauermarsch teil, was ich wiederum sehr bewegend fand. Auch die Ansprache der Witwe war sehr bewegend. Erschreckend hingegen: Kein führender Politiker der Türkei war bei der Trauerfeier anwesend. So eine Geste lässt tief blicken, von Politikern, die einen EU Beitritt hebreiführen wollen. Aber die Wahlen stehen halt vor der Tür und die Stimmen der Radikalen und Nationalisten sind begehrt... Aber dennoch, die rege Anteinahme von so vielen Menschen stimmt doch ein wenig zuversichtlich.

Und dann auch noch die neuen Töne aus Washington D.C.: George W. Bush wird zum Umweltschützer und will mehr in die Forschung für alternative Energien investieren und sich der Herausforderung des Klimawandels stellen! Ja, ihr habt richtig gelesen: Geroge W. Bush will den Schadstoffausstoß verringern! Der Mann, der als eine der ersten Amtshandlungen im Präsidentenamt einen Rückzieher vom Kyoto - Protokoll gemacht hat! Er will damit aber nicht nur die Umwelt retten, sondern natürlich auch mehr Unabhängigkeit von Rohstoffimporten erreichen.


Aber leider wirbt er auch für den Einsatz von 20 000 weiteren GIs im Irak! Zum Verdruss der Opposition und inzwischen auch zum Verdruss einiger Parteigenossen.

Und dann noch eine Meldung von heute: Man hat bei der Bundesregierung angefragt, ob die Bundeswehr evtl. Aufklärungsflugzeuge nach Afghanistan schicken würde, um im Falle einer Offensive der wiedererstarkten Taliban begegnen zu können. Also wenn's nach mir ginge, dann wären schon längst die deutschen Soladaten aus Afghanistan zu Hause und deshalb hoffe ich, dass wir wenigstens keine weiteren hinschicken!

Also wenn ich mir das alles so durchlese, erscheint mir die Woche gar nicht mehr so anstrengend und das Gefühl jetzt Wochenende zu haben, ist umso besser, wenn man davon ausgeht, dass viele andere Menschen trotz des Wochenendes keine Ruhe finden werden...

 

1 Kommentar 26.1.07 17:58, kommentieren